
Blogbeitrag
Jesus unser Fullback
Aktuell läuft die WM und mir fällt auf: Sport hat eine verbindende Komponente. Von den Spielern, die Teams bilden, um ein Ziel zu erreichen, Coaches, die das bestmögliche aus diesen Spielern rausholen wollen, bis zu den Fans, die sich durch Gesänge und Schlachtrufe verbinden, um ihre Lieblingsmannschaft anzufeuern.
In Amerika ist vor allem eine Sportart sehr beliebt: Foodball. Ganz platt erklärt geht es wie bei den meisten anderen Ballsportarten darum, einen Ball von der einen auf die andere Spielfeldseite zu befördern. Jeder Spieler hat dabei seine eigene wichtige Aufgabe.
Einer davon, ist der Fullback. Seine Aufgabe ist es einen Weg durch die Verteidigungslinien zu bahnen, damit der Foodball in die Endzone des gegnerischen Teams gelangen kann.
Alles in allem ein Spiel, dass durchaus Spannungen erzeugt und ein bisschen erinnert mich das immer wieder an eine bestimmte Erzählung aus dem Johannesevangelium.
Dort stellt Jesus sich im zehnten Kapiel als der gute Hirte vor.
1 »Ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Schafstall hineingeht, sondern auf einem anderen Weg eindringt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Der Hirte geht durch die Tür zu den Schafen. 3 Ihm macht der Wächter auf, und auf seine Stimme hören die Schafe. Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
(...) 7 Deshalb fuhr Jesus fort: »Ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8 Alle, die vor mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber. Aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. 9 Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eintritt, wird er gerettet werden. Er wird ein- und ausgehen und gute Weide finden. 10 Der Dieb kommt nur, um die Schafe zu stehlen und zu schlachten und um Verderben zu bringen. Ich aber bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen – Leben in ganzer Fülle.« 11 »Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte ´ist bereit,` sein Leben für die Schafe herzugeben. 12 Einer, der gar kein Hirte ist, sondern die Schafe nur gegen Bezahlung hütet, läuft davon, wenn er den Wolf kommen sieht, und lässt die Schafe im Stich, und der Wolf fällt über die Schafe her und jagt die Herde auseinander. 13 Einem solchen Mann, dem die Schafe nicht selbst gehören, geht es eben nur um seinen Lohn; die Schafe sind ihm gleichgültig. 14 Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich, 15 genauso, wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich gebe mein Leben für die Schafe her.
(...) 18 Niemand nimmt es mir; ich gebe es freiwillig her. Ich habe die Macht, es herzugeben, und ich habe die Macht, es wieder zu empfangen. Das ist der Auftrag, den ich von meinem Vater bekommen habe.«
Auf zwei Auffälligkeiten in diesem Text möchte ich heute eingehen.
Wort des Anstoßes für die Schriftgelehrten.
Auf den Ersten Blick wirkt das Wort, welches Jesus über sich selbst spricht nicht sonderlich anstößig. Für die Pharisäer und Schriftgelehrten des Volkes sendet Jeus hier allerdings zwei Botschaften. Um das ganze Ausmaß dieser Aussage zu verstehen, müssen wir einmal in das Alte Testament schauen. Im Propheten Hesekiel, Kapitel 34 heißt es:
„1 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 3 Aber ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. 4 Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. 5 Und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und zerstreut.
Weiter heißt es ab Vers 10
Jetzt wird es spannend. Zum einen wird klar: Jesus offenbart sich als Teil der Trinität, wenn er sagt: Ich bin der gute Hirte. Er bestätigt damit das Wort aus Hesekiel 34,11 „Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.“ Gott selbst wird zum guten Hirten, der sich jetzt um seine Herde kümmert. Indem er dies tut, setzt er die Pharisäer und Führenden Männer des Volkes als Leiter Israels ab. Denn es heißt im Vers 10 „Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden.“
Israels Hirten haben sich nicht gut um das Volk gekümmert. Vielmehr haben sie sich selbst versorgt und erhöht. Sie sind zu den Lohnarbeitern geworden von denen Jesus in Johannes 10 spricht. Wenn Jesus also sagt Ich bin der gute Hirte, dann kritisiert er damit auch ganz offen das Verhalten der führenden Männer Israels.
Was gibt Jesus wirklich für uns?
Betrachten wir den Grundtext, entdecken wir eine Besonderheit in der Wortwahl, die Jesus hier nutzt, um unsere Herzen für sich zu gewinnen. Schauen wir uns Vers 10 und 11 einmal genauer an.
10 Der Dieb kommt nur, um die Schafe zu stehlen und zu schlachten und um Verderben zu bringen. Ich aber bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen – Leben (ζωή - zoe) in ganzer Fülle.« 11 »Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte ´ist bereit,` sein Leben (ψυχή - psyche) für die Schafe herzugeben.
Jesus spricht hier zum einen davon, dass er gekommen ist, um uns das Leben in Fülle zu bringen. Zum anderen spricht er davon, dass er als der gute Hirte bereit ist sein Leben für die Schafe, für uns, zu geben. An dieser Stelle wird es besonders spannend, denn wenn Jesus sagt, dass er sein Leben für uns gibt (und zwar jedes Mal, wenn in diesem Kapitel die Rede davon ist), nutzt er nicht wie üblich das griechische Wort ζωή (zoe), was Leben bedeutet, sondern er nimmt das Wort ψυχή (psyche) was normalerweise mit Seele oder Herz übersetzt wird.
Jesus spricht also davon, dass er mehr gibt als nur sein physisches Leben. Vielmehr erleben wir hier einen Ausdruck tiefster Hingabe und Liebe. Jesus ist bereit sein Herz und seine Seele zu geben, damit wir das Leben in Fülle empfangen.
Jesus zahlt am Kreuz also nicht nur mit seinem Blut und seinem Leben. Vielleicht hast du schon mal den gehört das jemand sagt, jemand anderes mache etwas mit Herz und Seele. Dr. Google hat für diese Redewendung eine, wie ich finde treffende Definition gefunden:
„Etwas mit Herz und Seele machen“ bedeutet, eine Aufgabe mit vollster Leidenschaft, Hingabe und echter Begeisterung zu verfolgen. Es geht darum, nicht nur oberflächlich zu handeln, sondern sich emotional voll einzubringen und sich mit dem eigenen Tun zu identifizieren.
Als Jesus sein Herz und Seele am Kreuz für uns gegeben hat, tat er es aus einer tiefen Überzeugung heraus. Er konnte sich mit seinem Handeln identifizieren. Er tat es, weil sein Plan feststand. Er tat es, weil er, Gott, Dich über alles liebt und weil er will, dass seine Liebe bei Dir ankommt. In dem Moment als Jesus ans Kreuz ging, nimmt er seine Rolle als Fullback für die Welt ein. Er räumt alle Hindernisse aus dem Weg, sprengt weg, was noch zwischen Dir und Gott steht. Damit kein weiteres Opfer nötig ist, um Gemeinschaft mit Gott zu haben. All dass, damit der Heilige Geist uns, die Liebe des Vaters offenbaren kann und wir verstehen, dass es nichts gibt, dass noch zwischen Gott und uns steht.
In Matthäus 27,52 heißt es, als Jesus starb, riss der Vorhang im Tempe in zwei Hälften. Dieser Vorhang trennte Das Allerheiligste, in dem Gottes Gegenwart ruhte, und dass nur wenige betreten durften, von dem Volk Israel. Die letzte Barriere ist aus dem Weg geräumt und jeder Mensch hat von nun an die Möglichkeit Gott zu begegnen. Ohne Mittelsmann, ohne Scharm. Weil Jesus, der gute Hirte zum Fürsprecher für uns wurde (Timotheus 2, 5-6). Er, der ganz Mensch und ganz Gott ist, hat alles gegeben, damit wir alles erhalten.
Je mehr mir bewusstwird, was am Kreuz passiert ist, desto mehr verstehe ich, dass ein Leben in Fülle darin besteht, Jesus auch dann die Ehre geben zu können, wenn mein Leben in Trümmern liegt. Wenn eben nicht alles gut zu sein scheint. Wenn Herausforderungen versuchen mich zu erdrücken oder ich immer wieder daran erinnert werde, wer ich einmal war und nicht sehen kann, wer ich heute bin. Weil ich weiß und darauf vertrauen kann, dass Jesus der gute Hirte ist und mich versorgen wird mit allem, was ich brauche.
Phil Zischke
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